Selbstgeboren-Das Buch

Hallo, falls Du noch hier auf dem alten Blog vorbei schaust und es bisher nicht mitbekommen hast:

Ich bin mit meinem Blog umgezogen auf meine Internetseite SELBSTGEBOREN. Hier findest Du alles, was ich bisher hier geschrieben habe. Es ist meine eigene Domain und für mich einfacher, alles unter einem Hut zu haben.

Der Blog ist ganz einfach zu finden unter: www.selbstgeboren.de

Hier findest Du auch die aktuelle Aktion zum Buch, für die ich Berichte von selbstbestimmt erlebten Geburten sammle.

Aktion Selbstgeboren

Sehen wir uns auf selbstgeboren.de ? Ich freu mich auf Dich!

Die Erwartung! – Schon Goethes Hebamme hätte eine Haftpflicht gebraucht

Weil der kleine Johann Wolfgang blitzeblau auf die Welt kam und erst nach einer “Herzmassage mit Wein die Augen aufschlug” (die ja höchstwahrscheinlich die Hebamme durchführte), wollte seine Mutter die Geburtshelferin für ihre Arbeit nicht bezahlen. Goethe selbst schrieb über seine Geburt später wie folgt:

“Diese guten Aspekten, welche mir die Astrologen in der Folgezeit sehr hoch anzurechnen wußten, mögen wohl Ursache an meiner Erhaltung gewesen sein: denn durch Ungeschicklichkeit der Hebamme kam ich für tot auf die Welt, und nur durch vielfache Bemühungen brachte man es dahin, daß ich das Licht erblickte. Dieser Umstand, welcher die Meinigen in große Not versetzt hatte, gereichte jedoch meinen Mitbürgern zum Vorteil, indem mein Großvater, der Schultheiß Johann Wolfgang Textor, daher Anlaß nahm, daß ein Geburtshelfer angestellt, und der Hebammenunterricht eingeführt oder erneuert wurde; welches denn manchem der Nachgebornen mag zugute gekommen sein. “

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Was, wenn er seine Begabung und Genialität hätte brach liegen lassen? Hätte Goethe es vorgezogen, sich zu langweilen und seine Talente nicht zu entwickeln hätte die Hebamme lebenslänglich einen prima Sündenbock dafür abgegeben. Gut zweieinhalb Jahrhunderte später hat sich für die Hebammen und ihre Verpflichtung zur Rechenschaft rein gar nichts geändert. Außer der Tatsache, dass es nicht um ein ausbleibendes Honorar geht, wenn eine “Ungeschicklichkeit” in der Geburtsbegleitung unterstellt wird, sondern um Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe. Und weil die Versicherungen auch nicht gerade das größte Interesse daran haben, in solche Summen als “big spender” verwickelt zu sein, wird in einem Klagefall auch noch zu allen Seiten geprüft, ob die Haftpflicht hier auch wirklich greift und schlussendlich nicht doch die Hebamme als Privatperson für schuldig befunden wird.

Der größte Wahnwitz an der ganzen Geschichte ist, woran sich die Rentenansprüche orientieren, wenn eine Beeinträchtigung des Kindes nicht als Kunstfehler ausgeschlossen werden kann: Sind die Eltern Manager bei einem großen Konzern, bezieht das Kind ein Managergehalt – schließlich hätte ja ein kleiner großer Manager aus ihm werden können. Ist der Papa bei der Müllabfuhr, dann wird die Rentenzahlung nach dem Gehalt bei der Stadtreinigung bemessen, denn zu mehr hätte es dann wohl auch nicht beim Filius gereicht. Und obwohl es gerade mal um die 100 Klagefälle im Jahr gibt, kommt es zu diesen ungeheuren Summen in der Haftpflicht für Hebammen. Denn diese kleine Berufsgruppe zahlt fleißig die Tausenderscheine ein, damit schließlich die Millionen zusammen kommen, die im Ernstfall benötigt werden. Beim besten Willen kann ich diese Rechnerei nicht mehr ernst nehmen. Ganz abgesehen davon, wie sich hier eine Solidargemeinschaft selbst verhöhnt, die sonst so um Chancengleichheit bemüht ist, funktioniert die Ausgleichszahlung im Schadensfall nach dem Motto: “Aus einem Arbeiterkind kann nicht mal die Hebamme einen Gymnasiasten zaubern. Also wollen wir ihr den Schuh ausnahmsweise mal nicht anziehen.”

Am Anfang eines kleinen Lebens

sind die Erwartungen so unglaublich hoch

dass so manches Kind sie kaum tragen kann.

Die Hebammen helfen ihm nicht nur auf die Welt

sie tragen auch all diese großen Wünsche der Eltern

gemeinsam mit diesem Kind in die Welt

 –

Nicht so offensichtlich

wie sie die Hand der Mutter in den Wehen halten

nicht so laut

wie die Herztöne des Babys aus dem CTG widerhallen

nicht so gefühlt real

wie sie dem frisch gebackenen Vater die Nabelschere reichen

 –

Die Erwartung

sitzt WARTend hinter der Kreißsaaltür

verschwindet mit dem Putzwasser nach der Geburt im Abfluss

immer dann, wenn alles gut gegangen ist.

Sie bäumt sich auf und lässt die Hebamme nicht mehr los

bis ein Urteil gesprochen ist,

wenn sie sich nicht erfüllt.

Welche Erwartungen der Bevölkerung stehen den aktuellen Protesten für den Erhalt des Hebammenberufes in seiner jetzigen Form gegenüber? Frauen entscheiden in ihrer Schwangerschaft frei wie sie sich ernähren, ob und wie sie ihre Lebensgewohnheiten an die neue Situation anpassen. Ob sie fliegen, sich stressigen Situationen aussetzen. Wenn ein Baby einmal auf der Welt ist, dann entscheiden die Eltern, wo das Kind schläft, wie oft es in ihrer Nähe ist. Die Mutter hat die freie Wahl ob sie ihr Kind stillen möchte. Die Eltern entscheiden auch, wie oft ein Kind mit dem Auto herum fährt. (Allein von dieser Entscheidung hängt ein eventuell potentiell stark erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Situationen im Straßenverkehr ab.) Und dazwischen: steht die Geburt. Der Übergang zwischen dem Leben im Mutterleib und dem auf der Welt. Und hier wird alles in Frage gestellt.

Es gibt so endlos viele Situationen die so individuell sind und über die es sich in keiner Weise lohnt zu diskutieren, weil man damit das Leben an sich in Frage stellt. Doch wenn Eltern sich die Freiheit nehmen, den Geburtsort für ihr Kind selbst auszusuchen, DANN wird diskutiert. Es wird auf Sicherheit verwiesen, wo es keine gibt. Nicht selten werden Eltern von Außen angegriffen, die Eigenverantwortung übernehmen und das von Anfang an.

Viele Menschen wollen, dass Hebammen bleiben und setzen sich mit aller Kraft dafür ein. Wie viele dieser Menschen wollen auch ein Stück Eigenverantwortung zurück haben, die sie in den vergangenen Jahrzehnten, vielleicht auch Jahrhunderten abgegeben haben? Wie viele Menschen wollen eigene Entscheidungen für sich und ihre Familien treffen? Wie viele Menschen sind in der Lage das nötige Vertrauen wieder zu entwickeln, dass es für eine gesunde und kraftvolle Geburtskultur braucht? Wie viele Menschen sind bereit für das Leben, in dem vieles gut angelegt und für ein erfolgreiches Gelingen vorbereitet ist. Es ist das selbe Leben, in dem manchmal auch Dinge nach einem anderen Plan laufen, als dem den wir uns ausgedacht haben.

“Dein Geist wird dich leiten,
in jedem Augenblick das Rechte zu wirken.”
Johann Wolfgang von Goethe

(Passend zum Thema, siehe auch dieser ZDF-Beitrag.)

Dieser Artikel ist auch erschienen auf meiner neuen Homepage: www.selbstgeboren.de

Es wäre toll, wenn beim Teilen des Artikels der link der neuen Seite verwendet wird. Danke:-)

SELBSTGEBOREN ist online

GEWINNERIN DER VERLOSUNG: HANNA ENGLERT, bitte melde Dich bis zum 9.3.2014, ansonsten wird neu verlost…

Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit der Frage, wie ich meine Hebammenarbeit weiter entwickeln möchte um möglichst unabhängig zu sein und um Frauen und Familien das bieten zu können, was meinem Anspruch an eine adäquate Begleitung gerecht wird. Dass es nun wirklich keine Haftpflicht mehr gibt, ist ja nur die Spitze des Eisbergs, der sich seit Jahren gebildet hat. Ich kann nicht sagen, dass mich diese Nachricht aus dem Nichts getroffen hat. Mit meiner konzeptionellen und journalistischen Arbeit habe ich das Gefühl im Augenblick genau am richtigen Platz zu sein um möglichst viele Menschen zu erreichen mit der Inspiration, sich ihrer Rechte auf eine freie und selbstbestimmte Geburt zurück zu holen, zu der es im Grunde genommen so wenig bedarf.

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In den letzten Tagen habe ich wenig, sehr wenig geschlafen, weil ich so viele Gedanken und Worte im Kopf habe, die ich aufschreiben, festhalten möchte. Das Buch steht kurz vor der Fertigstellung. Ich beginne mit der aktiven Verlagsuche. Mit der Unterstützung von zwei ganz lieben Menschen aus meiner Familie ist das Logo ganz schnell fertig geworden und seit heute gibt es die Internetseite www.selbstgeboren.de

Wenn Du auf dem richtigen Weg bist, geht alles ganz leicht.

Dann begegnen sich die richtige Zeit und der richtige Ort.

Aus Bemühung wird Effektivität.

Das Herz geht in Resonanz mit dem was du tust.

Auf Selbstgeboren finden sich alle Bloginhalte und Artikel wieder, die ich bisher hier veröffentlicht habe. Auch die Inhalte vom Kängurublog werden in den nächsten Tagen dort ins Archiv eingefügt.

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Um ein bisschen mit Euch zu feiern, bevor ich weiter über zukunftsorientierte Wege für eine freie und selbstbestimmte Geburt schreibe, möchte ich ein tolles Buch zum Thema an Euch verschenken. Schreibt einen Kommentar hier oder auf facebook. Bis Sonntag, den 23.2.2014 könnt ihr Euch eintragen. Am Wochende entscheidet das Los. Die Gewinnerin/ der Gewinner wird hier im Blog bekannt gegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ich freue mich, Euch auf dem neuen Blog wieder zu sehen. Es ist schön, dies alles mit Euch zu teilen.

Muttersein – Seite an Seite

Es ist Abend in Berlin, oder München, oder Köln-Ehrendfeld, oder einem kleinen Dorf in Thüringen. Eine Mutter, die Stefanie heißt, bringt ihre beiden Töchter ins Bett. Lina ist 7, Charlotta ist 4 Jahre alt. Sie gibt ihnen einen Kuss und das große Mädchen fragt: “Mama, warum atmest Du zwischendurch so schwer?” “Ich denke, dass heute Nacht oder morgen früh unser neues Baby auf die Welt kommen will”, sagt die Mutter und lächelt wissend und liebevoll vor sich hin.

“Ihr dürft nicht vergessen mich wach zu machen. Sag das auch Papa, ja?” Während Charlotta schon eingeschlafen ist, kann Lina es nun kaum erwarten bei der Geburt ihres kleinen Geschwisters dabei zu sein. Die Mutter geht zurück ins Wohnzimmer, wo ihr Mann Paolo gerade einen warmen Tee mit Milch und Honig neben die kleine Kerze auf den Tisch gestellt hat. Genau so, wie sie es mag. “Fehlt uns noch etwas?” fragt der junge Mann, der kurz davor ist zum dritten Mal Papa zu werden. “Noch eine Flasche Zitronenlimonade hätte ich sehr gerne. Weisst Du noch, wie gut mir das getan hat bei der Geburt von Lina? Diese eiskalte Limonade zu trinken zwischen den Wehen.”

Der Vater verlässt leise das Haus um die Limonade, ein frisches Huhn für die Suppe und eine kleine Torte zu besorgen. Stefanie ist sich nun sicher, dass die Geburt begonnen hat. Sie ruft ihre Hebamme und ihrer jüngere Schwester an. Sie wissen nun Bescheid, dass sie sich später in der Nacht auf den Weg machen werden um das neue Familienmitglied zu begrüßen und um die Mutter zu unterstützen, wenn sie Hilfe und Zuspruch benötigt.

Als Katharina später im Auto sitzt und durch die ganz frühen Morgenstunden zu ihrer älteren Schwester fährt, hat auch sie dieses Lächeln der freudigen Erwartung im Gesicht. Zum dritten Mal darf sie dabei sein, wenn sie Tante wird. Ob sie diesmal einen kleinen Neffen begrüßen wird? Oder noch ein kleines Mädchen? Katharina ist 22 und wer ihr begegnet, steht eines sehr selbstbewussten jungen Frau gegenüber, die in ihrem Körper sehr zu Hause ist und die gelernt hat, dass sie bald ebenso kraftvoll wie ihre Schwester die Zeit von Schwangerschaft und Geburt erleben darf. Doch noch ist es nicht so weit. Heute darf sie erst einmal wieder mit begleiten, beobachten, lernen und feiern. Und sich dabei mit um Lina kümmern, die zum ersten Mal mit dabei sein darf.

“Um 6.00 morgens, als die Mama einmal besonders laut geatmet hat, da ist mein kleiner Bruder geboren.” wird Lina drei Tage später in der Schule erzählen. Carola, die Hebamme ihrer Mama ist heute mit im Unterricht und Lina darf mit helfen, den Mitschülern davon zu erzählen, wie ein Kind auf die Welt kommt.

Weil das eine ganz normale Sache ist und trotzdem jedes Mal die Welt für einen Moment den Atem anhält, die Zeit still zu stehen scheint und dann das Wunder des Lebens Wirklichkeit geworden ist. Stefanie genießt nun in den kommenden 8 Wochen die Zeit mit ihrem Baby und kann sich ganz darauf konzentrieren es kennen zu lernen. Carola kommt nach Bedarf und schaut nach Mutter und Kind und wie die Familie sich neu zusammen findet. Sie liebt diese Arbeit und freut sich, dass sie damit so gutes Geld verdient, dass sie ausreichend Pausen im Jahr einlegen kann um immer wieder frisch und erholt für die Frauen da zu sein.

Paolo ist in der gesamten Wochenbettzeit zu Hause und kümmert sich vor allem um die beiden Mädchen. Abends wiegt er seinen Sohn, wenn Stefanie für eine halbe Stunde in der Badewanne abtaucht und entspannt. Zwei Nachbarinnen, deren Kinder schon groß sind, genießen es so nah dabei sein zu dürfen, wenn eine junge Familie wächst. Frau Vogel kümmert sich um die Wäsche und Frau Klein, die von den Kindern liebevoll “Klimperklein” genannt wird, bringt Mittags ein warmes Essen und nimmt sich an zwei Nachmittagen Zeit um Lina das Stricken beizubringen. Sie möchte unbedingt ein kleines Schnuffeltuch für den Bruder selber machen. Der heißt übrigens Peter und ist im Wohnzimmer in einem großen aufblasbaren Wasserbecken bei sanft rosafarbenen Licht in die Hände seiner starken Mama und mitten hinein in den Schoß seiner Familie geboren. Seine Schwester Charlotta kam kurz nach seiner Ankunft dazu und rieb sich erst mal die Augen und kuschelte sich in Papas Schoss um den neuen kleinen Bruder aus der Ferne zu betrachten.

Eine kleine fiktive Geschichte, die sich so tausendfach an jedem Tag und in jeder Nacht in vielen Städten und kleinen Dörfern der Republik wiederholen kann. Wenn es einmal nicht so glatt läuft, wie bei Stefanies Geburten, ist eine flächendeckende Versorgung gewährleistet und Mutter und Kind können rasch die medizinische Hilfe bekommen, die sie benötigen. DAS ist der große Vorteil, den unser Land zu bieten hat. Von den Bedingungen her leben wir im hygienisch-klinischen Paradies. Es gibt alle, wirklich alle Möglichkeiten sollte man sie denn benötigen. Was jetzt gerade passiert ist, dass jeder Frau alle erdenklichen Möglichkeiten prophylaktisch übergestülpt werden, egal ob sie sie benötigt oder nicht.

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Es ist Zeit aufzuwachen und etwas Altes neu zurück zu erobern. Weil die Kraft in Dir ist….

 

(Die beiden Frauen auf dem Bild haben nichts mit meiner erdachten Geschichte zu tun. Ich durfte sie im vergangenen Sommer beim Umweltfestival am Brandenburger Tor für meinen Blog fotografieren, weil sie es toll fanden, dass ich über natürliche Schwangerschaft und Eternsein schreibe. Nochmals danke an Euch!)

Feedback – es bewegt sich was…

Liebe Frauen, Mütter, Männer, Kolleginnen, von  sage ich DANKE für Euer zahlreiches Feedback zum Artikel “Hebammen – wollt ihr sie wirklich-wirklich”. Den Blog sowie Eure Gedanken dazu in den Kommentaren haben seit gestern über 14.000(!) Menschen gelesen. Ich möchte einen positiven Blick in die Zukunft wagen und Frauen darin unterstützen, die eigene Fähigkeit zur Geburt UND zur Wahlfreiheit anzuerkennen und sich nicht im Außen durch geschaffene widrige Umstände in Ängste versetzen zu lassen. Was im Außen passiert ist, spiegelt immer das was sich in jedem von uns abspielt. Wir brauchen das Wissen von Hebammen jetzt mehr denn je um diese Kraft in uns zu entfalten. Damit in Zukunft noch mehr Frauen lächelnd sagen können: “Ich habe selbstgeboren!”

Als Antwort auf die Frage nach dem Profilbild zur eigenen Verwendung auf facebook: Gerne dürft ihr dieses Bild im Rahmen der Aktion als Profilbild nutzen. Welche Kraft in Worten steckt ist kein Geheimnis mehr und ich bin überzeugt, dass es reicht mit der Demutshaltung. Wir sind Frauen und mit Hebammen an unserer Seite können wir wunderbar gebären. Und zwar an dem Ort, den wir uns dafür ausgesucht haben. Es ist eine Frechheit, dass überhaupt der Versuch statt findet, diese Freiheit anzutasten. So!

Ich wünsche Euch allen eine zauberhafte Wochenmitte!

Hebammen – wollt ihr sie wirklich wirklich? Na dann los!

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Es ist soweit! Was abzusehen war wurde Wirklichkeit: ab 2015 haben Hebammen in Deutschland keine Haftpflichtversicherung mehr. GOTTSEIDANK!! Kann ich nur sagen. Endlich ist dem Wahnsinn ein Ende gesetzt . Nun gibt es gut gemeinte Proteste und ein allgemeines Aufschreien. Ganz  ehrlich? Ich möchte die Möglichkeit für 5000,- Euro “Erlaubnisgebühr” Frauen bei ihren Geburten fachkundig begleiten zu dürfen nicht mal geschenkt zurück. Mein Beruf ist kein Ehrenamt, und wenn doch, dann nicht um den Preis dieser Verantwortung, die auf den Schultern der Hebammen abgeladen wird, die aus vollster Überzeugung und nach bestem Wissen und Gewissen ihre Arbeit tun. Der Schmerz, der jetzt spürbar wird, durch die drohende Auflösung unserer Berufsstandes gammelt seit Jahren vor sich hin und jetzt ist er endlich für alle sichtbar geworden.

Deutschland hat sich die absurde Situation geschaffen, dass nach Stand der Gesetze wie sie zur Zeit sind, ab 2015 Geburten in diesem Land verboten sind. Denn auf der einen Seite gibt es die Hinzuziehungspflicht der Hebamme, die aber ja dann nicht mehr ihren Beruf ausüben darf. Denn ihre Arbeitserlaubnis ist an die Haftpflichtversicherung gebunden. Wie blöd kann ein Land eigentlich sein, sich dermaßen den eigenen Hahn für nachfließenden Nachwuchs abzudrehen?

Zu 1000% überwachte Schwangerschaften, eine schmerzfreie Geburt, einen Ersatz für Muttermilch, elektrische Geräte, die anstelle der Eltern den Babyschlaf überwachen, das Angebot wird allein durch die Nachfrage geregelt. Das große und lukrative Geschäft rund um den Beginn des Lebens wird regiert von, ich nenne es mal  “stark männlich geprägten Errungenschaften”. Dass meine ich nicht diskriminierend oder bewertend. Es gibt genügend Männer, die sich für eine natürliche Geburt einsetzen. Ich glaube viel mehr, dass es mit am Perfektionsstreben liegt, dem sich viele Frauen unterwerfen, dass sie den Bezug zu ihrer schöpferischen Energie, ihrer absolut weiblichen Anmut verloren haben. Der Preis dafür wird jetzt öffentlich und ganz deutlich sichtbar. Der Hebammenberuf stand schon immer für weibliche Intuition, Urwissen und einen natürlichen Umgang mit dem Existentiellen an sich. Leben, Tod, Kreislauf. Das sind immer noch Tatsachen, denen wir alle unterworfen sind und im Streben danach diese Urkraft zu beherrschen, verlieren wir das wichtigste, was es braucht um Leben weiter zu geben: Die Fähigkeit gebären zu können.

Im Zusammenhang mit der fehlenden Möglichkeit für Hebammen sich zu versichern gibt es für die Zukunft zwei Möglichkeiten:

1. Die schlechteste und das ist gleichzeitig die, die es zu verhindern gilt: Die bisher einflussreiche Lobby, denen die natürliche Geburtshilfe ein Dorn im Auge ist, wird versuchen die Hinzuziehungspflicht der Hebamme zu kippen. Das Gesetz, welches in der Vergangenheit immer wieder umkämpft und geschützt werden musste, könnte angefochten werden mit der Begründung, dass die Versorgung  durch Hebammen in Zukunft durch die aktuellen Entwicklungen nicht sicher gestellt ist. Das ist wichtig zu wissen, sonst steht bald die nächste üble Überraschung ins Haus.

2. Die Gesellschaft. Frauen, Männer, Familien besinnen sich geschlossen und in der deutlichen Mehrzahl auf das Wesentliche. Es wird großflächig erkannt, dass eine Geburt zum Lebensrisiko gehört und nicht versicherbar ist. Mit Prävention, guter Begleitung, Informationsfluss und vor allem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, kann so viel mehr getan werden für eine gute und sichere Geburt. Es kann doch nicht sein, dass es in einer Solidargemeinschaft darauf ankommt, dass im Falle einer außergewöhnlichen Situation der Schuldtopf von einem zum nächsten geschoben wird. “Im Zweifelsfall parken wir ihn bei der Hebamme.” So klingt das für mich, wenn gestriegelte Krankenkassenfutzis, schwitzend vor der Kamera verkünden, dass “wir schließlich nicht unseren Beitragszahlern die Verantwortung für ein pflegebedürftiges Kind übertragen können”.

Leute wacht auf!!!Holt Euch Eure Rechte JETZT zurück!!! Dass Geburt ganz natürlich funktioniert ist KEIN Geheimnis. Die Überraschung des Tages ist: JEDE FRAU KANN DAS!!!

Aktionen wie “Ein Herz für Hebammen”oder “Rettet unsere Hebammen” bringt uns leider nicht viel mehr als “Ein liebevolles Schwanzwedeln für tibetische Straßenhunde” oder “Rettet unser Wäldchen im Stadtpark”.   Diese Kampagnentitel tragen den Spirit einer  sehr demütigen Haltung dem ganzen System gegenüber in sich: “Lieber Herr Gesundheitsminister, haben sie doch ein Herz und retten sie unsere Hebammen.” So funktioniert es nicht. Mit dieser Einstellung werden wir abhängig bleiben.

Eine schwangere Hebamme kann sich im Zweifelsfall selbst behelfen, oder sie kennt auch in Zukunft eine Kollegin, die sie als Freundin bei der Geburt zu Hause unterstützt. Aber die 98,2% der Frauen in Deutschland, die bisher nicht das Vertrauen in ihre Fähigkeiten zurück erlangt haben, stehen wirklich im Regen, wenn da niemand mehr ist, der sie darin bestärkt, dass sie das können, wofür sie geboren sind. Leben hervor bringen. Ein Kind durch sich selbst in die Welt tragen. Die Geburt als Glanzstück erleben

Dass hier und da mal ein Beruf ausstirbt, sich verändert oder weiter entwickelt ist ja an sich nichts ungewöhnliches. Das hat es immer wieder gegeben. Doch hier geht es um so viel mehr… Es bleibt uns allen zu wünschen, dass dies flächendeckend erkannt wird. Was sind Eure Erwartungen an die Geburtshilfe? Wohin soll die Reise gehen?

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Die Müttersterblichkeit in Deutschland ist übrigens in den letzten 7 Jahren um 93!!! % gestiegen. Das ist seitdem die dramatischen Erhöhungen in der Hebammenhaftpflicht ihren Anfang nahmen und sich nach und nach immer mehr Kolleginnen aus der Hebammenarbeit zurück zogen, kleine geburtshilfliche Abteilungen und Geburtshäuser dicht machten und eine flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet war.

Hier findet ihr meine Facebookseite zum Thema selbstbestimmte Geburt mit regelmäßigen und aktuellen Informationen.