Sich wieder finden – wie wir uns für die Waldorfschule und den Kindergarten entschieden haben

Im Kindergarten standen bis gestern noch Maria und Josef im Fenster. Anders, als es heutzutage meist gefeiert wird, dauert die christliche Weihnachtszeit ja eigentlich bis zum 3. Februar an. Es hat sich vieles in die Adventszeit verschoben, die im Ursprung eher eine sehr besinnliche Fastenzeit war. Das wissen viele gar nicht mehr, weil wir ja ab September Printen und Dominosteine kaufen und pünktlich zum ersten Advent dekoriert haben. Meine Mama erzählt oft, dass es früher eigentlich nur einen Adventskranz und hier und da einen Stern in der Vorweihnachtszeit gab. Richtig festlich wurde es dann erst an Weihnachten. Auch die gebackenen Plätzchen wurden bis dahin nicht angerührt. Ich möchte auch keinen nadelnden Baum bis in den Februar hinein stehen haben, aber dennoch habe ich mich in diesem Jahr immer wieder bewusst an die besondere und heilige Zeit erinnern lassen, wenn ich den kleinen Engel im Fenster stehen sah. IMG_7215

Mit dem Dreikönigspiel wird im Waldorfkindergarten die Weihnachtszeit abgeschlossen. Obwohl unser Jakob erst seit zwei Wochen dort ist, durfte er einen Stern tragen und es war schön zu sehen, wie sehr er sich über diese wichtige Aufgabe gefreut hat.IMG_7216

Schon länger wollte ich darüber schreiben, wie und warum wir die Entscheidung für Waldorfpädagogik in unserer Familie getroffen haben. Mit vielen Ansätzen und Materialien bin ich selbst aufgewachsen. Wenn ich mich an meine frühe Kindheit in unserem kuscheligen kleinen Haus im Kölner Umland erinnere, dann denke ich an Ostmeier-Tiere, meine große Holzwindmühle, Hüttenschuhe, Knetbienenwachs dieses harte Zeug, das nie weich werden wollte und sich auch nicht durch die Knetpresse quetschen lies  und Kerzentropfen. Wir haben Mehl gemahlen und Kullerwichtel gebastelt und hatten Strohhalme aus STROH! Und Schaffelle – überall Schaffelle… Wir hatten Wollstulpen, dicker als die eigenen Waden und wir machten Musik auf Flöte und Glockenspiel.Hach, das war so herrlich – mir geht das Herz auf, wenn ich das schreibe.  Meine Eltern und insbesondere meine Mutter wussten schon warum sie es machten wie sie es machten. Doch das war mir ja damals nicht so klar.

Ich habe mir an vielen Tagen Filzstifte gewünscht. Einen dicken pinken Filzstift, der so doll nass malt, dass sich das Papier kräuselt. aber wir hatten eben Stockmar-Wachser. Heute bin ich diejenige, die versucht das Kinderzimmer immer wieder ein bisschen “einfacher” zu machen. Was hätte ich gegeben für einen kleinen Rollstempel als Kind oder einen Glitzerstift. So was waren echte Raritäten. Ich sammle solche Dinge manchmal aus einem Bettbezug, (natürlich nachdem der Farbaustausch zwischen Rollstempel und Bezug erfolgt ist). Glitzerstifte finden sich vorzugsweise zerknirscht unter einem Stuhlbein. Kann sein, dass der Verlust wochenlang nicht bemerkt wird, weil es noch so viel artverwandtes gibt.

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Im September des vergangenen Jahres machte unser Schulmädchen mit aller Kraft darauf aufmerksam, dass sie in der Regelschule die sich bis dahin besuchte, sehr sehr unglücklich ist. Schon im Verlauf des ersten Schuljahres hat sie sich sehr schwer getan, sich an den Schulalltag anzupassen. Denn so ist es leider. Es wird erwartet, dass kleine Kinder, zum Teil noch nicht einmal sechs Jahre alt, sich einfügen in ein Lernsystem das wenig bis gar keinen Raum für ihre Talente, Vorlieben und kreativen Ideen vorsieht. Wir konnten dabei zusehen, wie Tag für Tag das Strahlen in ihrem Gesicht weniger wurde. Sie wirkte müde matt und leer. Es tat mir im Herzen weh das mitzuerleben und ich konnte sie voll und ganz verstehen. Ich wusste, dass wir eine rasche Lösung brauchen, bevor sie ganz die Freude am Lernen und ihren Wissensdurst verliert. Es ging dann glücklicherweise alles ganz schnell. Wir fanden eine freie Waldorfschule, die uns kurzfristig eine Probewoche für Viktoria anbieten konnte. Nach dem ersten Tag war für unsere Große klar: “Hier bleibe ich!” So zog dann Stück für Stück ein ganz neues “Schulgefühl” in unseren Familienalltag ein. Wir haben uns eine Schule ausgesucht, die insgesamt sehr offen und mit viel Lehrer- und Elterninitiative ein Modell lebt, dass nicht allzu “ver-steinert” um jeden Preis funktioniert. Darüber bin ich sehr froh, denn das Schulkonzept passt so wie es ist sehr gut zu uns und unserem Familienleben. Viktoria fand sehr schnell Anschluss in ihrer neuen Klasse und geht mit den Freundinnen aus ihrer alten Klasse zum Ballettunterricht. Sie hat in jeder Hinsicht etwas Gutes dazu gewonnen und auch für uns hat ein spannender Lernprozess begonnen, da vieles aus dem Schulleben den Weg zu uns nach Hause findet. Unser großes Mädchen hat seitdem einen riesigen Entwicklungssprung gemacht und es kehrte eine spürbare Gelassenheit rund um dieses ganze Schulthema bei uns ein.

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Seit nun auch unser Junge den Kindergarten gewechselt hat, ist es noch harmonischer zu Hause geworden. Es scheint, als haben nun alle ihren Platz gefunden, von dem aus wir miteinander und aneinander wachsen können. Es tut so gut…

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