Ich bin gegangen um zu bleiben – 48h Mama-Auszeit

Ich möchte eine Erfahrung mit Euch teilen, die mir in vielerlei Hinsicht neue Blickwinkel auf gewohnte Abläufe geschenkt hat. Am Wochenende war ich einfach mal weg. Ganz alleine mit meinem Gepäck, dass so ungewohnt handlich war, denn es war ja nur für mich. Ein tolles Gefühl, einfach zwei zusätzliche paar Schuhe in den Koffer zu stecken und noch einen Kuschelcardigan einzupacken anstatt möglichst alle Klamotten kompakt gefaltet und praktisch zu verstauen. Noch ein Kissen für die lange Busfahrt und auf ging es mit meinfernbus.de. In einem komfortabel ausgestatteten Reisebus mit viel Platz bin ich für 22,- von Berlin nach Köln gefahren. Das dauert fast doppelt so lang wie mit der Bahn und kostet weniger als ein Drittel. Es dürfen zwei Gepäckstücke und ein Handgepäck mitgenommen werden. Der Bus war genau zur Hälfte besetzt, was eine wirklich gemütliche Fahrt möglich machte. Ich konnte mich angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten zunächst gar nicht entscheiden, was ich mit meiner geschenkten Zeit anfange. Dann packte ich mein Toast mit Omelett aus und frühstückte erst mal in aller Ruhe, während der Bus am Grunewald vorbei rollte. Es war herrlich.

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Danach nahm ich mir die Biographie von Wolfgang Joop, die seit November darauf wartet gelesen zu werden und tauchte für viele Stunden  ins Joopiversum ab. Es war eine Offenbarung, ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben modisch gesehen so richtig verstanden und es blieb nicht aus, dass ich viele Seiten mit Ausrufezeichen und unterstrichenen Zeilen vollkritzelte, weil ich sie so bedeutsam fand. Mit jedem Kilometer entfernte ich mich von meiner Familie und von meinem 17 Monate alten Stillkind. Das fühlte sich auf der einen Seite etwas seltsam und ungewohnt an, andererseits spürte ich, wie ein Raum in mir immer größer wurde, von dem ich fast nicht mehr wusste, dass es ihn gibt. Ich verbrachte das Wochenende mit meinem besten Freund, leckeren selbstgemachten Quiche, George Clooney und Ausschlafen. Am Samstag liess ich mich von meinem Papa zu einem zauberhaften Dinner einladen und genoss den Abend einer kinderlosen Veranstaltung mit meinen Eltern, meiner Patentante und meinem Onkel. Den Sonntag Vormittag verbrachte ich mit meiner Oma in ihrer gemütlichen Küche vor dem Ofen und liebte es sehr auch mit ihr einmal ohne Gewusel um uns herum zu plaudern. Habe ich meine Kinder dabei, ziehen sie natürlich ganz von selbst Omas ganze Aufmerksamkeit auf sich. Für Gespräche ist dann meist wenig oder gar keine Zeit.

Mittags holte ich mit meinen Eltern das Schulmädchen bei ihrem Papa ab. Überraschung! Sie wusste nicht, dass ich mit dabei sein würde und freute sich riesig. Gemeinsam teilten wir uns die enorm großzügigen Loungesitze auf der Rückbank und führten tolle Gespräche bis wir am späten Nachmittag unsere schöne Hauptstadt wieder erreichten.

Große Wiedersehensfreude daheim und alle haben sich lieb. Nach einer Woche Abstinenz ist die Liebe zwischen kleinem Bruder und großer Schwester besonders groß. Es gibt dann einen ganzen Abend lang keinen einzigen Streit. Mein Kleinster strahlte mich schon im Treppenhaus an. Wie schön, ihn wieder zu sehen. Ich hatte mein Baby sehr vermisst. Alle vier Stunden die Brust auszustreichen macht nicht halb so viel Spaß wie eine gemütliche Stillpause mit meinem Kind. Seit ich wieder da bin, genieße ich diese umso mehr.

Ich weiss jetzt, dass ich immer noch sehr gut mit mir allein sein kann. Dass ich diese Auszeiten für mich brauche um für meine Familie in dem Maße da sein zu können, wie ich es möchte. Dass sie auch mal gut ohne mich zurecht kommt ist ein gutes Gefühl. Von Oma mit einem Care-Paket versorgt zu werden das mit rheinischem Schwarzbrot im Silberpapier  und Landrahm vom Heiko gefüllt ist (ja, da wo ich herkomme rollt einmal die Woche ein “Kaufzuhaus” vorbei und ermöglicht hemmungsloses Bürgersteigshopping) ist genau die Art von Be(groß)mutterung, die ich als Mutter hier und da brauche und haben will. Ein stilles Einverständnis unter Frauen, die wissen, woran es manchmal fehlt im Familienalltag.

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Wenn Du das Gefühl hast, dringend eine Auszeit für Dich ganz alleine zu brauchen, lasse Dich nicht zu sehr von anderen “beraten”. Du kannst Zustimmung bekommen oder Unverständnis ernten á la “also ich könnte das ja nicht”. Es ist wie in allen andern Dingen auch – am Ende liegt die Entscheidung bei Dir und nur dann kannst Du Dich mit dem Ergebnis auch wohl fühlen. Mir hilft diese gefühlte Freiheit in vielen Situationen weiter. Die Qualität der Stillbeziehung zwischen meinem Sohn und mir ist nun viel präsenter als vor meinem Wochenende. Vater und Söhne waren einmal ganz unter sich. Ich bin wieder ganz da, denn manchmal ist es gut mal zu gehen um zu bleiben.

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2 thoughts on “Ich bin gegangen um zu bleiben – 48h Mama-Auszeit

  1. Jaaa,
    dann brauche ich Dein zickiges Telefon nicht mehr zu terrorisieren.
    Toll, dass alles geklappt hat,
    ich gönn es Dir..
    und bin trotzdem neidisch 😉

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