Muttersein – Seite an Seite

Es ist Abend in Berlin, oder München, oder Köln-Ehrendfeld, oder einem kleinen Dorf in Thüringen. Eine Mutter, die Stefanie heißt, bringt ihre beiden Töchter ins Bett. Lina ist 7, Charlotta ist 4 Jahre alt. Sie gibt ihnen einen Kuss und das große Mädchen fragt: “Mama, warum atmest Du zwischendurch so schwer?” “Ich denke, dass heute Nacht oder morgen früh unser neues Baby auf die Welt kommen will”, sagt die Mutter und lächelt wissend und liebevoll vor sich hin.

“Ihr dürft nicht vergessen mich wach zu machen. Sag das auch Papa, ja?” Während Charlotta schon eingeschlafen ist, kann Lina es nun kaum erwarten bei der Geburt ihres kleinen Geschwisters dabei zu sein. Die Mutter geht zurück ins Wohnzimmer, wo ihr Mann Paolo gerade einen warmen Tee mit Milch und Honig neben die kleine Kerze auf den Tisch gestellt hat. Genau so, wie sie es mag. “Fehlt uns noch etwas?” fragt der junge Mann, der kurz davor ist zum dritten Mal Papa zu werden. “Noch eine Flasche Zitronenlimonade hätte ich sehr gerne. Weisst Du noch, wie gut mir das getan hat bei der Geburt von Lina? Diese eiskalte Limonade zu trinken zwischen den Wehen.”

Der Vater verlässt leise das Haus um die Limonade, ein frisches Huhn für die Suppe und eine kleine Torte zu besorgen. Stefanie ist sich nun sicher, dass die Geburt begonnen hat. Sie ruft ihre Hebamme und ihrer jüngere Schwester an. Sie wissen nun Bescheid, dass sie sich später in der Nacht auf den Weg machen werden um das neue Familienmitglied zu begrüßen und um die Mutter zu unterstützen, wenn sie Hilfe und Zuspruch benötigt.

Als Katharina später im Auto sitzt und durch die ganz frühen Morgenstunden zu ihrer älteren Schwester fährt, hat auch sie dieses Lächeln der freudigen Erwartung im Gesicht. Zum dritten Mal darf sie dabei sein, wenn sie Tante wird. Ob sie diesmal einen kleinen Neffen begrüßen wird? Oder noch ein kleines Mädchen? Katharina ist 22 und wer ihr begegnet, steht eines sehr selbstbewussten jungen Frau gegenüber, die in ihrem Körper sehr zu Hause ist und die gelernt hat, dass sie bald ebenso kraftvoll wie ihre Schwester die Zeit von Schwangerschaft und Geburt erleben darf. Doch noch ist es nicht so weit. Heute darf sie erst einmal wieder mit begleiten, beobachten, lernen und feiern. Und sich dabei mit um Lina kümmern, die zum ersten Mal mit dabei sein darf.

“Um 6.00 morgens, als die Mama einmal besonders laut geatmet hat, da ist mein kleiner Bruder geboren.” wird Lina drei Tage später in der Schule erzählen. Carola, die Hebamme ihrer Mama ist heute mit im Unterricht und Lina darf mit helfen, den Mitschülern davon zu erzählen, wie ein Kind auf die Welt kommt.

Weil das eine ganz normale Sache ist und trotzdem jedes Mal die Welt für einen Moment den Atem anhält, die Zeit still zu stehen scheint und dann das Wunder des Lebens Wirklichkeit geworden ist. Stefanie genießt nun in den kommenden 8 Wochen die Zeit mit ihrem Baby und kann sich ganz darauf konzentrieren es kennen zu lernen. Carola kommt nach Bedarf und schaut nach Mutter und Kind und wie die Familie sich neu zusammen findet. Sie liebt diese Arbeit und freut sich, dass sie damit so gutes Geld verdient, dass sie ausreichend Pausen im Jahr einlegen kann um immer wieder frisch und erholt für die Frauen da zu sein.

Paolo ist in der gesamten Wochenbettzeit zu Hause und kümmert sich vor allem um die beiden Mädchen. Abends wiegt er seinen Sohn, wenn Stefanie für eine halbe Stunde in der Badewanne abtaucht und entspannt. Zwei Nachbarinnen, deren Kinder schon groß sind, genießen es so nah dabei sein zu dürfen, wenn eine junge Familie wächst. Frau Vogel kümmert sich um die Wäsche und Frau Klein, die von den Kindern liebevoll “Klimperklein” genannt wird, bringt Mittags ein warmes Essen und nimmt sich an zwei Nachmittagen Zeit um Lina das Stricken beizubringen. Sie möchte unbedingt ein kleines Schnuffeltuch für den Bruder selber machen. Der heißt übrigens Peter und ist im Wohnzimmer in einem großen aufblasbaren Wasserbecken bei sanft rosafarbenen Licht in die Hände seiner starken Mama und mitten hinein in den Schoß seiner Familie geboren. Seine Schwester Charlotta kam kurz nach seiner Ankunft dazu und rieb sich erst mal die Augen und kuschelte sich in Papas Schoss um den neuen kleinen Bruder aus der Ferne zu betrachten.

Eine kleine fiktive Geschichte, die sich so tausendfach an jedem Tag und in jeder Nacht in vielen Städten und kleinen Dörfern der Republik wiederholen kann. Wenn es einmal nicht so glatt läuft, wie bei Stefanies Geburten, ist eine flächendeckende Versorgung gewährleistet und Mutter und Kind können rasch die medizinische Hilfe bekommen, die sie benötigen. DAS ist der große Vorteil, den unser Land zu bieten hat. Von den Bedingungen her leben wir im hygienisch-klinischen Paradies. Es gibt alle, wirklich alle Möglichkeiten sollte man sie denn benötigen. Was jetzt gerade passiert ist, dass jeder Frau alle erdenklichen Möglichkeiten prophylaktisch übergestülpt werden, egal ob sie sie benötigt oder nicht.

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Es ist Zeit aufzuwachen und etwas Altes neu zurück zu erobern. Weil die Kraft in Dir ist….

 

(Die beiden Frauen auf dem Bild haben nichts mit meiner erdachten Geschichte zu tun. Ich durfte sie im vergangenen Sommer beim Umweltfestival am Brandenburger Tor für meinen Blog fotografieren, weil sie es toll fanden, dass ich über natürliche Schwangerschaft und Eternsein schreibe. Nochmals danke an Euch!)

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Hebammen – wollt ihr sie wirklich wirklich? Na dann los!

Selbstgeboren - Logo V2

Es ist soweit! Was abzusehen war wurde Wirklichkeit: ab 2015 haben Hebammen in Deutschland keine Haftpflichtversicherung mehr. GOTTSEIDANK!! Kann ich nur sagen. Endlich ist dem Wahnsinn ein Ende gesetzt . Nun gibt es gut gemeinte Proteste und ein allgemeines Aufschreien. Ganz  ehrlich? Ich möchte die Möglichkeit für 5000,- Euro “Erlaubnisgebühr” Frauen bei ihren Geburten fachkundig begleiten zu dürfen nicht mal geschenkt zurück. Mein Beruf ist kein Ehrenamt, und wenn doch, dann nicht um den Preis dieser Verantwortung, die auf den Schultern der Hebammen abgeladen wird, die aus vollster Überzeugung und nach bestem Wissen und Gewissen ihre Arbeit tun. Der Schmerz, der jetzt spürbar wird, durch die drohende Auflösung unserer Berufsstandes gammelt seit Jahren vor sich hin und jetzt ist er endlich für alle sichtbar geworden.

Deutschland hat sich die absurde Situation geschaffen, dass nach Stand der Gesetze wie sie zur Zeit sind, ab 2015 Geburten in diesem Land verboten sind. Denn auf der einen Seite gibt es die Hinzuziehungspflicht der Hebamme, die aber ja dann nicht mehr ihren Beruf ausüben darf. Denn ihre Arbeitserlaubnis ist an die Haftpflichtversicherung gebunden. Wie blöd kann ein Land eigentlich sein, sich dermaßen den eigenen Hahn für nachfließenden Nachwuchs abzudrehen?

Zu 1000% überwachte Schwangerschaften, eine schmerzfreie Geburt, einen Ersatz für Muttermilch, elektrische Geräte, die anstelle der Eltern den Babyschlaf überwachen, das Angebot wird allein durch die Nachfrage geregelt. Das große und lukrative Geschäft rund um den Beginn des Lebens wird regiert von, ich nenne es mal  “stark männlich geprägten Errungenschaften”. Dass meine ich nicht diskriminierend oder bewertend. Es gibt genügend Männer, die sich für eine natürliche Geburt einsetzen. Ich glaube viel mehr, dass es mit am Perfektionsstreben liegt, dem sich viele Frauen unterwerfen, dass sie den Bezug zu ihrer schöpferischen Energie, ihrer absolut weiblichen Anmut verloren haben. Der Preis dafür wird jetzt öffentlich und ganz deutlich sichtbar. Der Hebammenberuf stand schon immer für weibliche Intuition, Urwissen und einen natürlichen Umgang mit dem Existentiellen an sich. Leben, Tod, Kreislauf. Das sind immer noch Tatsachen, denen wir alle unterworfen sind und im Streben danach diese Urkraft zu beherrschen, verlieren wir das wichtigste, was es braucht um Leben weiter zu geben: Die Fähigkeit gebären zu können.

Im Zusammenhang mit der fehlenden Möglichkeit für Hebammen sich zu versichern gibt es für die Zukunft zwei Möglichkeiten:

1. Die schlechteste und das ist gleichzeitig die, die es zu verhindern gilt: Die bisher einflussreiche Lobby, denen die natürliche Geburtshilfe ein Dorn im Auge ist, wird versuchen die Hinzuziehungspflicht der Hebamme zu kippen. Das Gesetz, welches in der Vergangenheit immer wieder umkämpft und geschützt werden musste, könnte angefochten werden mit der Begründung, dass die Versorgung  durch Hebammen in Zukunft durch die aktuellen Entwicklungen nicht sicher gestellt ist. Das ist wichtig zu wissen, sonst steht bald die nächste üble Überraschung ins Haus.

2. Die Gesellschaft. Frauen, Männer, Familien besinnen sich geschlossen und in der deutlichen Mehrzahl auf das Wesentliche. Es wird großflächig erkannt, dass eine Geburt zum Lebensrisiko gehört und nicht versicherbar ist. Mit Prävention, guter Begleitung, Informationsfluss und vor allem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, kann so viel mehr getan werden für eine gute und sichere Geburt. Es kann doch nicht sein, dass es in einer Solidargemeinschaft darauf ankommt, dass im Falle einer außergewöhnlichen Situation der Schuldtopf von einem zum nächsten geschoben wird. “Im Zweifelsfall parken wir ihn bei der Hebamme.” So klingt das für mich, wenn gestriegelte Krankenkassenfutzis, schwitzend vor der Kamera verkünden, dass “wir schließlich nicht unseren Beitragszahlern die Verantwortung für ein pflegebedürftiges Kind übertragen können”.

Leute wacht auf!!!Holt Euch Eure Rechte JETZT zurück!!! Dass Geburt ganz natürlich funktioniert ist KEIN Geheimnis. Die Überraschung des Tages ist: JEDE FRAU KANN DAS!!!

Aktionen wie “Ein Herz für Hebammen”oder “Rettet unsere Hebammen” bringt uns leider nicht viel mehr als “Ein liebevolles Schwanzwedeln für tibetische Straßenhunde” oder “Rettet unser Wäldchen im Stadtpark”.   Diese Kampagnentitel tragen den Spirit einer  sehr demütigen Haltung dem ganzen System gegenüber in sich: “Lieber Herr Gesundheitsminister, haben sie doch ein Herz und retten sie unsere Hebammen.” So funktioniert es nicht. Mit dieser Einstellung werden wir abhängig bleiben.

Eine schwangere Hebamme kann sich im Zweifelsfall selbst behelfen, oder sie kennt auch in Zukunft eine Kollegin, die sie als Freundin bei der Geburt zu Hause unterstützt. Aber die 98,2% der Frauen in Deutschland, die bisher nicht das Vertrauen in ihre Fähigkeiten zurück erlangt haben, stehen wirklich im Regen, wenn da niemand mehr ist, der sie darin bestärkt, dass sie das können, wofür sie geboren sind. Leben hervor bringen. Ein Kind durch sich selbst in die Welt tragen. Die Geburt als Glanzstück erleben

Dass hier und da mal ein Beruf ausstirbt, sich verändert oder weiter entwickelt ist ja an sich nichts ungewöhnliches. Das hat es immer wieder gegeben. Doch hier geht es um so viel mehr… Es bleibt uns allen zu wünschen, dass dies flächendeckend erkannt wird. Was sind Eure Erwartungen an die Geburtshilfe? Wohin soll die Reise gehen?

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Die Müttersterblichkeit in Deutschland ist übrigens in den letzten 7 Jahren um 93!!! % gestiegen. Das ist seitdem die dramatischen Erhöhungen in der Hebammenhaftpflicht ihren Anfang nahmen und sich nach und nach immer mehr Kolleginnen aus der Hebammenarbeit zurück zogen, kleine geburtshilfliche Abteilungen und Geburtshäuser dicht machten und eine flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet war.

Hier findet ihr meine Facebookseite zum Thema selbstbestimmte Geburt mit regelmäßigen und aktuellen Informationen.

Der gestiefelte Kater unterwegs – wie der Kleinste die Stadt kennen lernt

Kurz nach seinem Geburtstag hat unser Kleinster im vergangenen Herbst das Laufen gelernt. Fröhlich und so weit ihn seine Füßchen tragen erkundet er seitdem das Kopfsteinpflaster unserer Stadt, genauso wie Gras, Matsch und Kletterbalken. Da Barfuß laufen in dieser Jahreszeit nicht so praktikabel ist, suchten wir nach einer Alternative für unseren kleinen Entdecker. Die kleinen Kinderfüße sollten gut geschützt, warm verpackt und trotzdem in ihrer Bewegung nicht durch feste Sohlen eingeschränkt werden.

Bei der kanadischen Firma Stonz fanden wir, was wir suchten. Super gemütliche und wasserdichte Booties ohne feste Sohle mit warmen Kuschelflies-Innenschuhen für besonders kalte Tage. Vom ersten Moment an heiß geliebt und auch jetzt für den bald beginnenden Frühling unser Schuhfavorit für Nikolas.

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Die Booties ermöglichen eine gute Bodenhaftung im wahrsten Sinne des Wortes und das Gefühl für die Beschaffenheit der verschiedenen Untergründe geht auch im Winter nicht verloren. Schade eigentlich, dass es die gemütlichen Stiefel nur in Größen bis 2,5Jahre gibt. Unsere Großen versuchen regelmäßig ihre Füße hinein zu bekommen um wenigstens auf Zehenspitzen damit herum zu hüpfen.

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Und weil auch der Frühling oft noch ganz schön matschig und nass ist, dürfen uns diese Schuhe noch eine Weile begleiten, bis sie in die Sommerpause gehen.

Die Firma Stonz bemüht sich um Nachhaltigkeit und um ständige Produktverbesserung. Die verschiedenen Designs finde ich sehr gelungen. Sehr süße Motive, die die Kinder mögen, aber die kein bisschen kitschig wirken. Bei der Größenauswahl kann man sich wirklich gut an den Altersangaben orientieren. Der Service ist klasse und es wird sehr schnell geliefert. Für die großen gibt es zwar keine Booties, dafür werden wir im Sommer die schönen schlichten Gummistiefel testen.

Ich bin gegangen um zu bleiben – 48h Mama-Auszeit

Ich möchte eine Erfahrung mit Euch teilen, die mir in vielerlei Hinsicht neue Blickwinkel auf gewohnte Abläufe geschenkt hat. Am Wochenende war ich einfach mal weg. Ganz alleine mit meinem Gepäck, dass so ungewohnt handlich war, denn es war ja nur für mich. Ein tolles Gefühl, einfach zwei zusätzliche paar Schuhe in den Koffer zu stecken und noch einen Kuschelcardigan einzupacken anstatt möglichst alle Klamotten kompakt gefaltet und praktisch zu verstauen. Noch ein Kissen für die lange Busfahrt und auf ging es mit meinfernbus.de. In einem komfortabel ausgestatteten Reisebus mit viel Platz bin ich für 22,- von Berlin nach Köln gefahren. Das dauert fast doppelt so lang wie mit der Bahn und kostet weniger als ein Drittel. Es dürfen zwei Gepäckstücke und ein Handgepäck mitgenommen werden. Der Bus war genau zur Hälfte besetzt, was eine wirklich gemütliche Fahrt möglich machte. Ich konnte mich angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten zunächst gar nicht entscheiden, was ich mit meiner geschenkten Zeit anfange. Dann packte ich mein Toast mit Omelett aus und frühstückte erst mal in aller Ruhe, während der Bus am Grunewald vorbei rollte. Es war herrlich.

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Danach nahm ich mir die Biographie von Wolfgang Joop, die seit November darauf wartet gelesen zu werden und tauchte für viele Stunden  ins Joopiversum ab. Es war eine Offenbarung, ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben modisch gesehen so richtig verstanden und es blieb nicht aus, dass ich viele Seiten mit Ausrufezeichen und unterstrichenen Zeilen vollkritzelte, weil ich sie so bedeutsam fand. Mit jedem Kilometer entfernte ich mich von meiner Familie und von meinem 17 Monate alten Stillkind. Das fühlte sich auf der einen Seite etwas seltsam und ungewohnt an, andererseits spürte ich, wie ein Raum in mir immer größer wurde, von dem ich fast nicht mehr wusste, dass es ihn gibt. Ich verbrachte das Wochenende mit meinem besten Freund, leckeren selbstgemachten Quiche, George Clooney und Ausschlafen. Am Samstag liess ich mich von meinem Papa zu einem zauberhaften Dinner einladen und genoss den Abend einer kinderlosen Veranstaltung mit meinen Eltern, meiner Patentante und meinem Onkel. Den Sonntag Vormittag verbrachte ich mit meiner Oma in ihrer gemütlichen Küche vor dem Ofen und liebte es sehr auch mit ihr einmal ohne Gewusel um uns herum zu plaudern. Habe ich meine Kinder dabei, ziehen sie natürlich ganz von selbst Omas ganze Aufmerksamkeit auf sich. Für Gespräche ist dann meist wenig oder gar keine Zeit.

Mittags holte ich mit meinen Eltern das Schulmädchen bei ihrem Papa ab. Überraschung! Sie wusste nicht, dass ich mit dabei sein würde und freute sich riesig. Gemeinsam teilten wir uns die enorm großzügigen Loungesitze auf der Rückbank und führten tolle Gespräche bis wir am späten Nachmittag unsere schöne Hauptstadt wieder erreichten.

Große Wiedersehensfreude daheim und alle haben sich lieb. Nach einer Woche Abstinenz ist die Liebe zwischen kleinem Bruder und großer Schwester besonders groß. Es gibt dann einen ganzen Abend lang keinen einzigen Streit. Mein Kleinster strahlte mich schon im Treppenhaus an. Wie schön, ihn wieder zu sehen. Ich hatte mein Baby sehr vermisst. Alle vier Stunden die Brust auszustreichen macht nicht halb so viel Spaß wie eine gemütliche Stillpause mit meinem Kind. Seit ich wieder da bin, genieße ich diese umso mehr.

Ich weiss jetzt, dass ich immer noch sehr gut mit mir allein sein kann. Dass ich diese Auszeiten für mich brauche um für meine Familie in dem Maße da sein zu können, wie ich es möchte. Dass sie auch mal gut ohne mich zurecht kommt ist ein gutes Gefühl. Von Oma mit einem Care-Paket versorgt zu werden das mit rheinischem Schwarzbrot im Silberpapier  und Landrahm vom Heiko gefüllt ist (ja, da wo ich herkomme rollt einmal die Woche ein “Kaufzuhaus” vorbei und ermöglicht hemmungsloses Bürgersteigshopping) ist genau die Art von Be(groß)mutterung, die ich als Mutter hier und da brauche und haben will. Ein stilles Einverständnis unter Frauen, die wissen, woran es manchmal fehlt im Familienalltag.

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Wenn Du das Gefühl hast, dringend eine Auszeit für Dich ganz alleine zu brauchen, lasse Dich nicht zu sehr von anderen “beraten”. Du kannst Zustimmung bekommen oder Unverständnis ernten á la “also ich könnte das ja nicht”. Es ist wie in allen andern Dingen auch – am Ende liegt die Entscheidung bei Dir und nur dann kannst Du Dich mit dem Ergebnis auch wohl fühlen. Mir hilft diese gefühlte Freiheit in vielen Situationen weiter. Die Qualität der Stillbeziehung zwischen meinem Sohn und mir ist nun viel präsenter als vor meinem Wochenende. Vater und Söhne waren einmal ganz unter sich. Ich bin wieder ganz da, denn manchmal ist es gut mal zu gehen um zu bleiben.

Sich wieder finden – wie wir uns für die Waldorfschule und den Kindergarten entschieden haben

Im Kindergarten standen bis gestern noch Maria und Josef im Fenster. Anders, als es heutzutage meist gefeiert wird, dauert die christliche Weihnachtszeit ja eigentlich bis zum 3. Februar an. Es hat sich vieles in die Adventszeit verschoben, die im Ursprung eher eine sehr besinnliche Fastenzeit war. Das wissen viele gar nicht mehr, weil wir ja ab September Printen und Dominosteine kaufen und pünktlich zum ersten Advent dekoriert haben. Meine Mama erzählt oft, dass es früher eigentlich nur einen Adventskranz und hier und da einen Stern in der Vorweihnachtszeit gab. Richtig festlich wurde es dann erst an Weihnachten. Auch die gebackenen Plätzchen wurden bis dahin nicht angerührt. Ich möchte auch keinen nadelnden Baum bis in den Februar hinein stehen haben, aber dennoch habe ich mich in diesem Jahr immer wieder bewusst an die besondere und heilige Zeit erinnern lassen, wenn ich den kleinen Engel im Fenster stehen sah. IMG_7215

Mit dem Dreikönigspiel wird im Waldorfkindergarten die Weihnachtszeit abgeschlossen. Obwohl unser Jakob erst seit zwei Wochen dort ist, durfte er einen Stern tragen und es war schön zu sehen, wie sehr er sich über diese wichtige Aufgabe gefreut hat.IMG_7216

Schon länger wollte ich darüber schreiben, wie und warum wir die Entscheidung für Waldorfpädagogik in unserer Familie getroffen haben. Mit vielen Ansätzen und Materialien bin ich selbst aufgewachsen. Wenn ich mich an meine frühe Kindheit in unserem kuscheligen kleinen Haus im Kölner Umland erinnere, dann denke ich an Ostmeier-Tiere, meine große Holzwindmühle, Hüttenschuhe, Knetbienenwachs dieses harte Zeug, das nie weich werden wollte und sich auch nicht durch die Knetpresse quetschen lies  und Kerzentropfen. Wir haben Mehl gemahlen und Kullerwichtel gebastelt und hatten Strohhalme aus STROH! Und Schaffelle – überall Schaffelle… Wir hatten Wollstulpen, dicker als die eigenen Waden und wir machten Musik auf Flöte und Glockenspiel.Hach, das war so herrlich – mir geht das Herz auf, wenn ich das schreibe.  Meine Eltern und insbesondere meine Mutter wussten schon warum sie es machten wie sie es machten. Doch das war mir ja damals nicht so klar.

Ich habe mir an vielen Tagen Filzstifte gewünscht. Einen dicken pinken Filzstift, der so doll nass malt, dass sich das Papier kräuselt. aber wir hatten eben Stockmar-Wachser. Heute bin ich diejenige, die versucht das Kinderzimmer immer wieder ein bisschen “einfacher” zu machen. Was hätte ich gegeben für einen kleinen Rollstempel als Kind oder einen Glitzerstift. So was waren echte Raritäten. Ich sammle solche Dinge manchmal aus einem Bettbezug, (natürlich nachdem der Farbaustausch zwischen Rollstempel und Bezug erfolgt ist). Glitzerstifte finden sich vorzugsweise zerknirscht unter einem Stuhlbein. Kann sein, dass der Verlust wochenlang nicht bemerkt wird, weil es noch so viel artverwandtes gibt.

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Im September des vergangenen Jahres machte unser Schulmädchen mit aller Kraft darauf aufmerksam, dass sie in der Regelschule die sich bis dahin besuchte, sehr sehr unglücklich ist. Schon im Verlauf des ersten Schuljahres hat sie sich sehr schwer getan, sich an den Schulalltag anzupassen. Denn so ist es leider. Es wird erwartet, dass kleine Kinder, zum Teil noch nicht einmal sechs Jahre alt, sich einfügen in ein Lernsystem das wenig bis gar keinen Raum für ihre Talente, Vorlieben und kreativen Ideen vorsieht. Wir konnten dabei zusehen, wie Tag für Tag das Strahlen in ihrem Gesicht weniger wurde. Sie wirkte müde matt und leer. Es tat mir im Herzen weh das mitzuerleben und ich konnte sie voll und ganz verstehen. Ich wusste, dass wir eine rasche Lösung brauchen, bevor sie ganz die Freude am Lernen und ihren Wissensdurst verliert. Es ging dann glücklicherweise alles ganz schnell. Wir fanden eine freie Waldorfschule, die uns kurzfristig eine Probewoche für Viktoria anbieten konnte. Nach dem ersten Tag war für unsere Große klar: “Hier bleibe ich!” So zog dann Stück für Stück ein ganz neues “Schulgefühl” in unseren Familienalltag ein. Wir haben uns eine Schule ausgesucht, die insgesamt sehr offen und mit viel Lehrer- und Elterninitiative ein Modell lebt, dass nicht allzu “ver-steinert” um jeden Preis funktioniert. Darüber bin ich sehr froh, denn das Schulkonzept passt so wie es ist sehr gut zu uns und unserem Familienleben. Viktoria fand sehr schnell Anschluss in ihrer neuen Klasse und geht mit den Freundinnen aus ihrer alten Klasse zum Ballettunterricht. Sie hat in jeder Hinsicht etwas Gutes dazu gewonnen und auch für uns hat ein spannender Lernprozess begonnen, da vieles aus dem Schulleben den Weg zu uns nach Hause findet. Unser großes Mädchen hat seitdem einen riesigen Entwicklungssprung gemacht und es kehrte eine spürbare Gelassenheit rund um dieses ganze Schulthema bei uns ein.

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Seit nun auch unser Junge den Kindergarten gewechselt hat, ist es noch harmonischer zu Hause geworden. Es scheint, als haben nun alle ihren Platz gefunden, von dem aus wir miteinander und aneinander wachsen können. Es tut so gut…

Eine Portion Schlaf zum Mitnehmen bitte – ganz ohne Ratgeber

Es ist wieder eine mediale Schlacht im Gange. Es gibt da dieses Buch. Dieses sehr böse Buch über Babys die nicht schlafen wollen. Darin enthalten ist ein kinderfeindliches  Rezept zur langfristigen Ruhigstellung in der Nacht. In abgekürzter Geheimsprache heißt es JKKSL (comprende?). Gegen das Buch gab es eine Petition, die Autorin erlitt einen “shitstorm”    (-> das neue “Mobbing” in Internetsprache) und bekam die Möglichkeit in einem Interview in der Zeitschrift Eltern Stellung zu beziehen.

Das Interview wurde dann wiederum zahlreich auf Blogs und in Onlinemedien analysiert, differenziert, auseinandergenommen. Ich sag´s jetzt mal in ein paar ganz einfachen Worten, was ich grundsätzlich von Büchern dieser Art und übrigens auch allen möglichen anderen “Ratgebern” halte, die eine bestimmte Technik oder “Verfahren” in irgendwelchen Angelegenheiten rund um das Leben mit Kindern enthalten: “What the f… interessiert es mich, was selbsternannte Experten da draußen für den “richtigen Weg” Kinder groß zu ziehen halten.

Jedes Kind kann Schlafen lernen” steht nur als ein Werk für eine ganze Generation von seltsamen Ratgebern, deren Autoren erkannt haben, dass das dringende Schlafbedürfnis von Eltern, die Sehnsucht nach ein bisschen Ruhe und Frieden eine echte Marktlücke darstellten.

Das Durchschlafbuch – die sanfte Schlafkur für Dein Baby” ist ebenfalls aus dieser Kategorie. Bereits das “sanft” und “für Dein Baby” im Titel suggeriert Eltern die am Ende ihrer Kräfte sind, wahre Wunder. Geschicktes Marketing so wie sich eine braune Flüssigkeit mit Kohlensäure seit Jahrzehnten bestens verkauft weil die Werbung suggeriert: “Trink mich und du bist sooooo cool…” Die Titel von solchen Büchern rufen: “Lies mich und du wirst soooooo ausgeschlafen sein.” (Ist die Botschaft erst mal angekommen, ist der Preis der dafür bezahlt wird erstmal nebensächlich. In diesem Fall geht es um das Vertrauen des Kindes.) Mach Dich frei von der Suggestionskraft von außen und vertraue statt dessen doch einfach Deinem Gefühl…

Was wirklich fehlt sind kinderfreie Zeiten in denen Mütter und Väter ihre Kinder in besten Händen wissen und regelmäßig ein paar Stunden das tun können, wonach ihnen der Sinn steht.  Das ist im Grunde genommen von Anfang an Möglich. Ein heißes Bad hinter verschlossenen Badezimmertüren, ein Spaziergang allein ins Lieblingscafé oder ein paar Stunden Schlaf am Stück. Klingt traumhaft oder? Das können Elternpaare sich gegenseitig ermöglichen. Optimal erhalten sie dabei Unterstützung von Außen durch Familie und Freunde die gerne Zeit mit Kindern verbringen und für sie da sind, wenn die Eltern mal unter sich sein möchten. Dann entsteht ein dynamisches Familienleben, in de alle ihre echten Bedürfnisse einbringen können.

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Wenn Du schläfst dann wache ich und wenn Du rufst, dann bin ich da!

Eines der essentiellsten Bedürfnisse von Babys und kleinen Kindern ist körperliche Nähe zu den Eltern. Lange Zeit suchen sie diese auch im Schlaf oder zumindest im Übergang von einer Schlafphase in die andere, oder wenn sie Nachts mal Pipi müssen, oder Durst haben. Ob es irgendwelche Studien gibt die belegen, dass das gut ist für Kinder, wenn sie in den Schlaf gestillt werden oder auf Papas Bauch einschlafen ist mir ehrlich gesagt total wurscht. Ich weiss es, weil meine Kinder es so kommunizieren. Das reicht mir als Antwort völlig aus.  Der Gedanke, dass immer mehr Eltern wieder in ihr GEFÜHL kommen im Umgang mit ihren Kinder und den Bedürfnissen der eigenen Familie, gefällt mir viel besser als ein verbotenes Buch.

Mein Fazit ist: Weiter dran bleiben und jeder Frau helfen ihre eigene Antwort zu finden indem ich ihr sage: “Du weisst es besser – denn die Expertin ist in Dir!”

Herzens-Projekt SELBSTGEBOREN

Vor etwa zwei Wochen gab es im Coachingzyklus an dem ich dieses Jahr teilnehme, die Wochenendaufgabe darüber nachzudenken, was ich “wirklich-WIRKLICH” will. Fand ich sehr interessant, den Ansatz nicht nur zu fragen “Was willst Du wirklich?”, sondern einen Schritt weiter “Was willst Du wirklich Wirklich?”

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Habe ich also gemacht und die Antwort war ganz klar: Ich will wirklich, dass Hebammen für ihre Arbeit besser bezahlt werden. Und “wirklich wirklich” will ich, dass Frauen wieder lernen in ihrem Körper so zu Hause zu sein. Dass sie selbst die Expertin sind für die Vorgänge während einer Geburt. Dass es wieder möglich wird, in der Schwangerschaft auch ohne Diagnostik von außen mit dem Baby ganz verbunden zu sein. Sofort hatte ich ganz viele Ideen zu einem Projekt im Kopf, bei dem es darum geht traditionelles Hebammen- und Frauenwissen weiterzugeben. Für eine Kultur des Gebären und Empfangen, die unabhängig ist von politischen Entscheidungen und aktuellen Trends in der Geburtsmedizin. Am Wochenende habe ich mich getraut und meine Idee umgesetzt. Zunächst in Form einer Facebookseite um zu sehen, ob das Thema Resonanz findet. Ich war ganz überwältigt, dass innerhalb eines Tages  100 Menschen die Seite geliked und kommentiert haben. Strike – das ist der richtige Weg…

SELBSTGEBOREN ist ein Projekt in dem Geburtswissen frei zugänglich gemacht und verbreitet wird um unabhängig und selbstbestimmt gebären zu können.

Teilweise sind die Veröffentlichungen dort Auszüge aus meinem Buch – also quasi “Leseproben” 😉 Ich wünsch Euch viel Spaß damit…