Muttersein – Seite an Seite

Es ist Abend in Berlin, oder München, oder Köln-Ehrendfeld, oder einem kleinen Dorf in Thüringen. Eine Mutter, die Stefanie heißt, bringt ihre beiden Töchter ins Bett. Lina ist 7, Charlotta ist 4 Jahre alt. Sie gibt ihnen einen Kuss und das große Mädchen fragt: “Mama, warum atmest Du zwischendurch so schwer?” “Ich denke, dass heute Nacht oder morgen früh unser neues Baby auf die Welt kommen will”, sagt die Mutter und lächelt wissend und liebevoll vor sich hin.

“Ihr dürft nicht vergessen mich wach zu machen. Sag das auch Papa, ja?” Während Charlotta schon eingeschlafen ist, kann Lina es nun kaum erwarten bei der Geburt ihres kleinen Geschwisters dabei zu sein. Die Mutter geht zurück ins Wohnzimmer, wo ihr Mann Paolo gerade einen warmen Tee mit Milch und Honig neben die kleine Kerze auf den Tisch gestellt hat. Genau so, wie sie es mag. “Fehlt uns noch etwas?” fragt der junge Mann, der kurz davor ist zum dritten Mal Papa zu werden. “Noch eine Flasche Zitronenlimonade hätte ich sehr gerne. Weisst Du noch, wie gut mir das getan hat bei der Geburt von Lina? Diese eiskalte Limonade zu trinken zwischen den Wehen.”

Der Vater verlässt leise das Haus um die Limonade, ein frisches Huhn für die Suppe und eine kleine Torte zu besorgen. Stefanie ist sich nun sicher, dass die Geburt begonnen hat. Sie ruft ihre Hebamme und ihrer jüngere Schwester an. Sie wissen nun Bescheid, dass sie sich später in der Nacht auf den Weg machen werden um das neue Familienmitglied zu begrüßen und um die Mutter zu unterstützen, wenn sie Hilfe und Zuspruch benötigt.

Als Katharina später im Auto sitzt und durch die ganz frühen Morgenstunden zu ihrer älteren Schwester fährt, hat auch sie dieses Lächeln der freudigen Erwartung im Gesicht. Zum dritten Mal darf sie dabei sein, wenn sie Tante wird. Ob sie diesmal einen kleinen Neffen begrüßen wird? Oder noch ein kleines Mädchen? Katharina ist 22 und wer ihr begegnet, steht eines sehr selbstbewussten jungen Frau gegenüber, die in ihrem Körper sehr zu Hause ist und die gelernt hat, dass sie bald ebenso kraftvoll wie ihre Schwester die Zeit von Schwangerschaft und Geburt erleben darf. Doch noch ist es nicht so weit. Heute darf sie erst einmal wieder mit begleiten, beobachten, lernen und feiern. Und sich dabei mit um Lina kümmern, die zum ersten Mal mit dabei sein darf.

“Um 6.00 morgens, als die Mama einmal besonders laut geatmet hat, da ist mein kleiner Bruder geboren.” wird Lina drei Tage später in der Schule erzählen. Carola, die Hebamme ihrer Mama ist heute mit im Unterricht und Lina darf mit helfen, den Mitschülern davon zu erzählen, wie ein Kind auf die Welt kommt.

Weil das eine ganz normale Sache ist und trotzdem jedes Mal die Welt für einen Moment den Atem anhält, die Zeit still zu stehen scheint und dann das Wunder des Lebens Wirklichkeit geworden ist. Stefanie genießt nun in den kommenden 8 Wochen die Zeit mit ihrem Baby und kann sich ganz darauf konzentrieren es kennen zu lernen. Carola kommt nach Bedarf und schaut nach Mutter und Kind und wie die Familie sich neu zusammen findet. Sie liebt diese Arbeit und freut sich, dass sie damit so gutes Geld verdient, dass sie ausreichend Pausen im Jahr einlegen kann um immer wieder frisch und erholt für die Frauen da zu sein.

Paolo ist in der gesamten Wochenbettzeit zu Hause und kümmert sich vor allem um die beiden Mädchen. Abends wiegt er seinen Sohn, wenn Stefanie für eine halbe Stunde in der Badewanne abtaucht und entspannt. Zwei Nachbarinnen, deren Kinder schon groß sind, genießen es so nah dabei sein zu dürfen, wenn eine junge Familie wächst. Frau Vogel kümmert sich um die Wäsche und Frau Klein, die von den Kindern liebevoll “Klimperklein” genannt wird, bringt Mittags ein warmes Essen und nimmt sich an zwei Nachmittagen Zeit um Lina das Stricken beizubringen. Sie möchte unbedingt ein kleines Schnuffeltuch für den Bruder selber machen. Der heißt übrigens Peter und ist im Wohnzimmer in einem großen aufblasbaren Wasserbecken bei sanft rosafarbenen Licht in die Hände seiner starken Mama und mitten hinein in den Schoß seiner Familie geboren. Seine Schwester Charlotta kam kurz nach seiner Ankunft dazu und rieb sich erst mal die Augen und kuschelte sich in Papas Schoss um den neuen kleinen Bruder aus der Ferne zu betrachten.

Eine kleine fiktive Geschichte, die sich so tausendfach an jedem Tag und in jeder Nacht in vielen Städten und kleinen Dörfern der Republik wiederholen kann. Wenn es einmal nicht so glatt läuft, wie bei Stefanies Geburten, ist eine flächendeckende Versorgung gewährleistet und Mutter und Kind können rasch die medizinische Hilfe bekommen, die sie benötigen. DAS ist der große Vorteil, den unser Land zu bieten hat. Von den Bedingungen her leben wir im hygienisch-klinischen Paradies. Es gibt alle, wirklich alle Möglichkeiten sollte man sie denn benötigen. Was jetzt gerade passiert ist, dass jeder Frau alle erdenklichen Möglichkeiten prophylaktisch übergestülpt werden, egal ob sie sie benötigt oder nicht.

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Es ist Zeit aufzuwachen und etwas Altes neu zurück zu erobern. Weil die Kraft in Dir ist….

 

(Die beiden Frauen auf dem Bild haben nichts mit meiner erdachten Geschichte zu tun. Ich durfte sie im vergangenen Sommer beim Umweltfestival am Brandenburger Tor für meinen Blog fotografieren, weil sie es toll fanden, dass ich über natürliche Schwangerschaft und Eternsein schreibe. Nochmals danke an Euch!)

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